Kompositionen zu Edvard Frank

im Kunstkabinett Tiefenthal

Aufführung: 18.05.2025 | 11Uhr
im Rahmen der Vernissage

Als ich die ausgestellten Bilder von Edvard Frank zum ersten Mal gesehen hatte, fiel mir als erstes die Vielseitigkeit auf. Vor allem die verschiedenen thematischen Bezüge und der vielseitige Einsatz der Farben und Linienführung. Trotz dessen gab es auch verbindende Elemente: allen Bildern liegt eine Melancholie zu Grunde. Auch wenn die Farben bunt und hell sind, strahlen die Bilder nicht nur positive Emotionen aus.

Bei der musikalischen und klanglichen Herangehensweise lag mein Fokus daher auch darauf, diese verbindenden und gleichzeitig vielseitigen Momente in den Kompositionen zu thematisieren. Folglich habe ich die Bilder nach meinen Eindrücken neu sortiert und thematisch eingeteilt. Es stellten sich vier Hauptthemen heraus: Fantasie, Mistral / Natur, Ägäis und Fibonacci.

Als verbindendes Element aller Stücke habe ich ein Drei-Ton-Motiv gewählt: d-h-es. Eine kleine Terz und ein Tritonus. In allen Stücken wird dieses Motiv auf verschiedene Arten verwendet. Es ist kein tonales Motiv: die kleine Terz lässt auf eine moll-Tonfolge schließen, der folgende Tritonus lässt alle harmonischen Schlussfolgerungen auflösen.

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Fantasie

Instrumente: Vibraphon
Dauer: 5.30 Minuten

Die hier ausgewählten Bilder sind nach ihrem Ausdruck und ihrer emotionalen Wirkung zusammen gestellt worden. Das Vibraphon mit dem eigenen sanften und durchdringenden Klang schien mir die Stimmung der Bilder am Besten zu entsprechen. Dabei wird der typisch vibrierende Klang des Vibraphons jedoch nicht durch den Motor erzeugt, sondern eher auf ungewöhnliche Weise durch Wirbel. Der Wechsel zwischen lang anhaltenden Tönen und atonalen schnellen Tonfolgen, welche sich zu Akkorden zusammen fügen, ermöglichen eine zugleich beruhigende wie auch melancholische Stimmung.

Das gesamte Stück basiert auf den Verhältnissen von Anspannung und Entspannung. Das Drei-Ton-Motiv wird zu Beginn gekürzt auf den ersten und dritten Ton. Die entstehende kleine Sekunde ist ein „scharfes“ Intervall mit viel Spannung. Die Bilder von Edvard Frank spielen mit den verschiedenen Aspekten der Anspannung und Entspannung. Die Motive der Akte auf der einen Seite, die Farb-Auswahl, die Linienführung und Positionierung auf den Bildern lassen sich einerseits schlüssig erklären, gleichzeitig geben diese viele möglichen der Interpretation: Die Frauen sind immer auf eine Hälfte des Bildes dargestellt, nie zentral. Die Blicke wandern zur anderen Bildhälfte. Das Zentrum der Bilder ist verschoben. Ebenso wird ein mögliches tonales Zentrum durch Vorhalte, die Vermischung des Hauptmotivs mit harmonischen Elementen wie auch 12Ton-Technik vermieden.

Mistral

Instrumente: verschiedene Becken, Kristal-Schalen, Chimes, Metallstücke, Pauken, verschiedene Schlägel
Dauer: 12.52 Minuten

Sturm im Mittelmeerraum, warme Luft trifft auf kalte Luft, Lenticulariswolken

Die hierfür ausgewählten Bilder von Edvard Frank spielen mit Farben und Flächen. Hier steht der Wind im Mittelpunkt. Trotz der vielen Farben wirken die Bilder bedrohlich und nicht wirklich erfreulich. Die Instrumentenwahl mit Pauken und Becken, Kristall-Schalen und Metallstücken und anderen Klangerzeugern schien mir hier die Grundstimmung am Besten aufzugreifen. Für die gesamte Form des Stücks habe ich mich an den Lenticulariswolken orientiert. Diese Wolkenformationen entstehenden durch den Mistral und sind rundlich und spiral- oder wellenförmig. Entsprechend gibt es in der Komposition einen ruhigen Anfang, eine laute Entwicklung und eine Wiederkehr zum Beginn; ähnlich der klassischen Liedform A-B-A. Jedoch wird das Ende durch die Spirale nicht wie der Beginn wiederholt, sondern verändert und erweitert.

Es sind keine tonalen Gefüge zu erkennen. Diese Bedrohung wird durch die Anspannung zwischen Pause und Klang in der Komposition verstärkt. Zu Beginn wird die stille und ruhige Mittelmeerraum-Atmosphäre thematisiert, bevor der Mistral als kalter Wind die Stimmung auflöst und verändert. Klangliche Effekte werden eingesetzt, um die Stimmungswechsel zu verdeutlichen. Das Drei-Ton-Motiv wird hier nicht als reine Tonfolge auf bestimmten Tonhöhen eingesetzt, sondern als Abfolge von „hoch-tief“: vom ersten Ton aus wird die Tonhöhe tiefer und von da aus wieder höher bis über den ersten Ton. Mit den Kristall-Schalen wird diese Abfolge motivisch verarbeitet und zum Teil auch auf andere Instrumente wie Becken und Pauken übertragen.

Ägäis

Instrumente: Vibraphon, Marimba
Dauer: 5.35 Minuten

Diese Bilder sind anders „komponiert“ als die Akte oder Früchte. Hier wird mit Farben und Flächen gearbeitet. Wie ein Mosaik werden unterschiedlich große Flächen mit unterschiedlichen Farben zusammen gestellt. Die Linienführung verbindet die Bilder aus der Reihe „Fantasie“ und dieser Reihe. Bei der Komposition habe ich den Fokus auf die Linien und Farbflächen gelegt. Auf dem Marimba wird die Linienführung der Bilder zu einem melodischen Motiv. Wie auch im Stück „Fibonacci“ wird das Drei-Ton-Motiv zu einer Fünf-Ton-Reihe erweitert. Die Farb-Auswahl wird mit den Klangfarben des Vibraphons zu einem weiteren Motiv basierend auf der Drei-Ton-Folge. Auch hier haben die typischen Eigenschaften des Vibraphons mittels lang anhaltender Töne eine zentrale Bedeutung. Den Begriff der „Klangfarben“ habe ich hier wörtlich genommen.

Fibonacci

Instrumente: 2 Toms, Bongos, eine Conga, Becken
Dauer: 4.42 Minuten

1-2-3-5-8-13-21 etc. Die Fibonacci-Reihe basiert auf einem einfachen Prinzip: Die Summe ergibt sich aus den beiden vorhergehenden Zahlen. Auf den Bildern von Edvard Frank fällt auf, dass auf keinem der ausgestellten Bildern vier „Elemente“ zu sehen sind. Es sind immer entweder eine Person, zwei, drei oder fünf Personen zu sehen. Somit ergibt sich eine Komposition basierend auf der Zahl 5. Fünf als Ergebnis von 2+3 oder 3+2.

Diese Feststellung habe ich als zentrales rhythmisches Schema für die vierte Komposition verwendet. Es werden rhythmische Figuren / Pattern auf Fünf Instrumenten gespielt – 2 Toms, Conga und 2 Bongos. Das Hauptmotiv ist hier ebenfalls eingearbeitet: Ein Fünftonmotiv wurde basierend auf den drei Tönen d-h-es entwickelt. Erweitert wurden die drei Töne durch die Umrahmung mit den Tönen cis und a. Somit ist die Folge hier cis-d-h-es-a. Eben diese Folge von fünf Tonhöhen wird auf die fünf Tonhöhen der Trommeln übertragen. In einem fünfer-Takt wird ein grundlegender Puls gelegt, auf welchem das Fünf-Ton-Thema nach und nach aufgebaut wird.